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Festansprache von Belinda Pierre zum 1. August

Liebi Bürgerinne und Bürger vo Mellige, Liebe Gmeindrat, Liebe Bruno

Es isch mir en grossi Ehr, hüt dörfe vor Ihne zstah und bi dere Glägeheit Ihne vo minere Karriere dörfe zbrichte. Ich danke dir, liebe Bruno, herzlich für die Iladig.

Im zarte Alter vo knapp 16ni han ich mich entschiede, Schiedsrichterin zwerde. Wieso tuet mer sich denn so öppis ah? Ja, das bin ich scho mängisch gfrögt worde. Als Chind händ mich scho immer die Sache fasziniert, wo nid 0815 gsi sind. De Tintefisch isch mis Lieblingstier, nid de Delfin, s’Pferd, de Hund oder d’Chatz, wie das anderi Meitli gha händ. Bsunders min Vater, en ehemalige Liechtathlet, hät früehner mit eus vel Sport gmacht. Sin sportliche Ehrgiiz flüsst wohl au i mine Adere. D’Kombination us Sport und Ungwöhnlich hät denn ufeme lange Wäge vo de Suechi nachem richtige Sport d’Schiedsrichterei ergeh.

Somit han ich im August 2003 mis Töffli gsattlet und bin uf Muri a min erste Match gfahre. Vo Rotteschwil, wo ich ufgwachse bin, isch das en agnehmi Reis gsi. Ganz nervös han ich vorem Match d’Kontrolle vo de beide Mannschafte ide Garderobe duregfüehrt. Da han ich nonig gwüsst, dass das mit so vel Üebig jedes Wucheänd ganz locker gah wird und ich drum au meh oder weniger entspannt hüt vor Ihne stah chan. Mis Töffli hät mich natürlich au a anderi Destinatione bracht. Niederwil, Hendschike oder au Mellige händ da dezue ghört. Zum Glück bini ja denn bald 16ni worde und han mis Töffli gäge en tolle neue Roller chönne tusche, denn isch das scho chli eifacher worde mit em Reise. Defür sind die Destinatione au immer witer weg gläge und so han ich mit mine Zweiräder de ganzi Kanton känne glernt.

Logischerwiis isch es für mich wichtig gsi, mit 18ni sofort d’Autoprüefig zabsolviere, was mir zum Glück au zemli rasch glunge isch. Und vo da a isch mine Eltere bewusst worde, dass sie zuekünftig uf eis Auto deheime, zumindest am Wucheänd, verzichte müend. Damals han ich mich zur Schiedsrichter Assistäntin, also Linierichterin, usbilde lah. Mini erste Efahrige han ich ide NLA vo de Fraue gsammled und han drum bereits Isätz ide ganze Schwiiz dörfe ha. Logischerwiis händ mini Eltere bald kei Freud meh gha am Tachostand vo ihrne Autos. Zum Usbildigsstart im Physiotherapie Studium han ich denn mis erste Auto becho – en chline rote Toyota, wo mich ab da überall hibracht und begleitet hät. Glichziitig han ich entschiede, mini Heimat zverlah und anen Ort zügle, wo d’Autobahn nöcher isch, so sehr ich Rotteschwil und die wunderschöni Natur immer gern gha han.

Im Aargau hät mer es Talänt i mir entdeckt und somit han ich mis erste Förderigsjahr ide 2. Liga Interregional vo de Männer gstartet. Euse ersti Isatz mit mim neue Team isch in Perly-Certoux gsi, das isch usserhalb vo Gänf Richtig Frankriich. Damals häts no kei Navis geh, und wenn, denn händ die ewig kei Empfang gha. Also hämer eus mit Charte und Umefröge duregschlage. So hämer die luschtigschte Begägnige dörfe erläbe. Schad, dass das hüt mit Google Maps uf em Handy nüme möglich isch. Uf eusem Reisli nach Perly-Certoux simer natürlich au falsch gfahre und sind prompt äne ade Gränze glanded.

2008 isch denn s’erschte richtig grosse Highlight i minere Karriere agstande: Ich han s’erschte Mal als Schiedsrichter Assistäntin is Usland dörfe reise. Ich bin iglade worde uf Falun in Schwede anes Fründschaftsturnier. Es isch erst s’zweite Mal i mim Läbe gsi, wo ich es Flugzüüg beträtte han. Am Afang han ich au ganz schön Müeh gha und bin mit Chummer und Heiweh plaged gsi, da ich mir das alles ganz anderst vorgstellt han und überhaupt nid gwüsst han, was mich da erwartet. Zum Glück han ich mich aber schnell a das neue Umfäld gwöhnt und neui Kollege us de ganze Wält känne glernt. Somit isch de Chummer schnell verfloge.

Bereits es Jahr spöter hät mini Destination wieder Schwede, respektive Götheborg, gheisse. Das isch min erste Ernstkampf im Usland gsi. Schwede hät gäge Belgie um d’Qualifikation fürd Wältmeisterschaft kämpft. Bim Abhebe vom Flugzüüg isch mir bewusst worde, dass ich jetzt d’Schwiiz verlahne und mis Land, mini Heimat im Usland bimene grosse Spiel dörf verträtte. Jetzt bini nüme d’Aargauer Schiedsrichterin vom FC Bremgarte gsi, sonder en Elite Assistäntin us de Schwiiz. Bereits bi dem Spiel han ich mini Schwiizer Fahne debi gha, wo sither bi jedem vo mine Uslandisätz i mim Hotelzimmer hanged und mich mit minere Heimat verbinded. In Schwede han ich das Mal no ganz es anders Problem gha: De Fish and Chips Stand im Stadion hinder mir. Da ich leider Fisch überhaupt nid gern han, han ich i dem Momänt d’Bratwürscht und Cervelat us de Schwiizer Stadie sehr vermisst.

Im Jahr 2011 han ich denn endlich das vo de FIFA gforderete Alter vo 23gi erreicht und ich bin offiziell FIFA Schiedsrichter Assistäntin worde. Vo da ah händ die internationale Isätz rasant zuegnoh und ich han dörfe halb Europa bereise und känne lerne. 2013 hät mich d’UEFA ines Taläntförderigsprogramm ufgnoh und im gliche Jahr han ich ade U19 Nachwuchs Europameisterschaft in Wales dörfe teilneh. Ich bin dete ganz ellei us de Schwiiz agreist und das isch für mich nid so eifach gsi. Mis immer no junge Alter vo 25gi hät denn dezue gfüehrt, mich vorziitig abreise zlah und ich han keis Finalspiel becho. Natürlich isch da en Wält für mich undergange, han aber au mini Lektion glernt und witer gschaffed.

Zwei Jahr – um ganz genau zsi. I dere Ziit han ich au min erste Isatz usserhalb vo Europa dörfe aträte: Für ein einzige Match isch euses Team uf Trinidad and Tobago greist. Nid nur die warmi karibischi Luft im Dezember, sondern au die Stimmig, das riese Fäscht und eusi Polizeieskorte vorem Match, wo so dur die Strasse grased isch, dass s’Adrenalin scho vorem Match usgschosse gsi isch, sind einigi wenigi Erinnerige a ganz en skurile Tripp.

Wo ich Ändi April 2015 mit em Velo vo Mellige, wo ich damals gwohnt han, uf Niederwil gfahre bin zum go schaffe, han ich s’Telefon vo minere Kollegin becho mit de Info, dass d’UEFA eus für de Champions League Final in Berlin nominiert hät. Wow, was für es Spiel! Und ich mittendrin statt nur dabei. Mini Emotione händ sich stündlich vo riesiger Freud, bis Angscht vor grosse Fehler und em Druck flissig gändered. Zwei Wuche spöter isch es aber sowiit gsi und alles isch parat gsi für das grosse Fuessballfäscht. De Match sälber isch lang usgliche gsi und ich hätti mich sogar über en Verlängerig gfreut. He ja, en Champions League Final hät mer schliesslich nur eimal im Läbe, drum hät ichs also scho no länger ufem Platz usghalte. Schlussendlich hät aber Frankfurt ide reguläre Ziit s’verdiente und alles entscheidende Goal gschosse. Und denn isch en grosse Momänt agstande: D’Medailleübergab. Die hät bi eus niemert gringers, als d’Frau Angela Merkel übernoh. E sonen schöni Medaille, vo sonere iflussriche Fraue mit sonere grosse Aura dörfe züberneh – das isch für mich hüt no fascht unglaublich.

S’Jahr druf han ich wieder en ussergwöhnlichi Reis vor mir gha: Ich bin vo de FIFA fürd U20 Nachwuchs Wältmeisterschaft ufbote worde. Destination hät Papua Neuguinea gheisse. Ui, wo isch denn das? Das hani mi au gfrögt… Papua Neuguinea liegt im Pazifik, also ide Nöchi vo Australie, oder am andere Ändi vo de Wält. Papua isch nid nur bekannt für die wunderschöni Natur, sondern au fürd Kriminalität, Kanibalismus und diversi gföhrlichi Chrankete. Und genau das Abendtür hät bi mir d’Vorfreud stige lah. Bi de 37 Grad Ussetemperature, und das im Novämber, am Morge am zähni im Training, han ich mich so richtig wohl gfühlt, obwohl mer wägem höche Sicherheitsrisiko chum usem Hotel händ dörfe. Während em ganze Monet in Papua hämer bloss 2 Usflüg dörfe mache. Bim zweite Usflug simer uf en Fischerinsle gfahre, wo mer die Iheimische nöcher händ dörfe känne lerne. Zum Abschied han ich de Chind d’Wimpel vom Schwiizer Fuessballverband verteilt und somit so vel Chinderauge zum Strahle chönne bringe. Was für en schöne Momänt! Dass sie eus denn spöter alli eusi Flip Flops am Strand klaut händ, isch i somene Land sogar verständlich worde. Sportlich han ich das tolle Turnier mit em Finalspiel dörfe kröne und bin mit eme riesige Erfahrigsschatz wieder zrugg i die chalti Schwiiz greist und han mich glich wieder gfreut, deheime dörfe zsi.

S’druffolgende 2017 isch denn so richtig zu mim Jahr worde! Ich bin, mit minere Kollegin zäme, fürd Europameisterschafte in Holland ufbote worde. Bi jedem neue Turnier setzt mer sich wieder grossi Ziel, setzt sich sälber under Druck und schaffed fliessig vor und während dere Ziit a sine Träum. Das sind sehr intensivi Wuche, immer weg vo deheime, vo Fiirtäg wie de 1. August und de Familie und Fründe. A dere Euro hämer alli die vele Hürde chönne meistere, händ chönne euses Beschte abrüefe und händ am 6. August uf Enschede fürs Final dörfe reise. Was dete abgange isch, chamer sich fascht nid vorstelle, wenn mer die Holländische Fans no nie live gseh hät. Die ganze Strasse sind in Orange gsi, alli die Fans, mit somene grosse Stolz uf ihres Nationalteam sind is Stadion gströmt. Mittendrin hät euse Chauffeur s’beschte geh. Das hät sogar d’Verrückheit vo Trinidad and Tobago übertroffe! Währendem Spiel han ich versuecht, so vel wie möglich vo dere Atmosphäre mitzneh. D’Holländerinne händ absolut verdient de Pokal in Empfang dörfe neh und somit isch die Orangi Party no lang witer gange.

Zrugg ide Schwiiz isch bereits die nöchschti Ehr agstande: Ich bin als Schiedsrichterin des Jahres vom Schwiizerische Fuessballverband uszeichnet worde. Es isch für mich en spezielli Ehr, dass ich de erschti Linierichter die Schwiiz sit langem, oder sogar überhaupt, bin, wo de Priis hät dörfe entgäge neh.

Vo dem riese Jahr han ich mich denn zerscht mal müesse erhole. Drum bin ich im September 2017 für ein Monet uf Mauritius greist, wo ich im Biisii vo mine Liebschte min wundervolli Ma han dörfe hürate.

No in Mauritius han ich min Mietvertrag für mis Gschäft in Mellige unterschriebe. Und ab da isch en neui Ära losgange. Planig vom Usbau und vo de Selbständigkeit händ mich total beasprucht und de Fuessball isch i dere Ziit au chli is Hinderträffe grate. Im Februar 2018 han ich aber en tolli Eröffnig dörfe fiire und bin mit Motimotion duregstartet. Parallel han ich die Schwiiz dörfe Isätz ide Challenge League vo de Männer ha um mich für witere bevorstehendi Heruseforderige vorzbereite.

Im August 2018 hät d’FIFA es ganzes Schwiizer Trio fürd U20 Wältmeisterschafte in Frankriich ufbote. Das Turnier hät de FIFA zur Selektion für die grossi Wältmeisterschaft vo dem Jahr dient. Es isch für mich en Schritt gsi, min grosse Traum, Olympiade 2020 zerreiche. Doch mängisch chunts anderst, als mer dänkt… Euses Team hät sich mit Konfliktsituatione umegschlage und isch schlussändlich dra zerbroche. De Druck, wo mer eus sälber gmacht händ, hät s’Vertraue schwinde lah. Das hät dezue gfüehrt, dass ich im alles entscheidende Spiel en grosse Fehler gmacht han. Konsequenze sind gsi, ohni Finalspiel abreise zmüesse und vorerst abwarte. En renommierte Sportpsycholog hät versuecht, s’Team wieder zäme zkitte, was aber au ihm misslunge isch. Am 3. Dezember 2018 hät d’FIFA kommuniziert, dass sie uf mich ade grosse WM verzichtet – en grossi Wält isch für mich zäme broche. Nume zwei Tag spöter isch min Vater mit ere schwere Erchrankig mit de Rega is Unispital uf Basel gfloge worde. Die einte Sorge händ ghulfe, die andere zvergässe und im Nachhinein macht s’Schicksal sehr oft Sinn.

Die Ziit bis zu de WM isch kein eifachi gsi. Ich han müesse lerne akzeptiere, dass ich min grosse Traum wohl leider nid erreiche wirde. Wenn ich aber uf mini tolle Erläbnis zrugg luege, denn isch das absolut in Ordnig so. Ich han die 16 Jahr vo minere Sportkarriere veles dem untergordnet, han mini Ziel mit eme riese Ehrgiiz verfolgt und jede Momänt und jedi Reis gnosse.

Doch jetzt chunt en Ziit, wo ich mis Deheime gnüsse. Ich schätz es sehr, deheime in Büschike d’Natur zgnüsse. Somit bin ich voller Elan, die Energie au witerhin i mis Gschäft zstecke und Dazsi für mini Agstellte und Patiente und somit de Bevölkerig vo Mellige und Umgäbig vel Guets ztue.

Isch es nid deheime eifach am schönschte? Gnüssed Sie euses wunderschöne Deheime und fiired Sie hüt gmeinsam euses tolle Land. Ich wünsche Ihne alles Liebi und ganz en schöne 1. August und danke Ihne fürs Zuelose.