Museum Mellingen - Stadtscheune
Stadtscheune – ein städtisches Gebäude für Heu, Stroh und Traktoren? Nein, weit gefehlt! Für die Kultur des Städtchens ist die Stadtscheune zentral, beherbergt sie doch nicht nur die vielgenutzte Bibliothek und eine Ausstellungsfläche, sondern auch das Ortsmuseum. Das passt gut zu einem der ältesten Häuser Mellingens, dessen Ursprung um 900 liegt. Die Rückseite ist Teil der Stadtmauer, sie besitzt Schiessscharten, die man im ersten Stock, in dem grossen Ausstellungraum, bewundern kann. Die Front mit dem grossen Tor fällt jedem Besucher der Altstadt sofort ins Auge. Das war jedoch nicht immer so.
Stadtscheune 1955
Stadtmauer mit Schiessscharten an der Rückseite der Scheune 1990
Lange Jahre kümmerte sich niemand um das Gebäude, mehrmals war es vom Abriss bedroht. Auch nachdem die Gemeinde sie im Jahr 1947 gekauft hatte, fand man nicht sofort eine adäquate Nutzung. Sie wurde vor allem als Lager für alles Mögliche genutzt, bis man sich dann 1985 zur Sanierung entschloss, immer noch ohne konkreten Plan zur zukünftigen Verwendung. Zu der Zeit kam der Gedanke auf, das Ortsmuseum dort unterzubringen. Das vor allem von Albert Nüssli gesammelte Ausstellungsgut war bis anhin unter sehr beengten Bedingungen im Zeitturm untergebracht. Wir wissen alle, wie gefährlich der Zugang zum Zeitturm vor dem Bau der Umfahrung war, im kleineren Torbogen befindet sich eine Tür über hohen Stufen. Ausserdem hatten die Räume mit Feuchtigkeit zu kämpfen, weil sie Sommer- und Wintertemperaturen mitmachten.
Auch die Bibliothek suchte damals eine neue Bleibe, sie wurde stark frequentiert und war in der Zivilschutzanlage unter dem Oberstufenzentrum nicht gerade attraktiv untergebracht. Im Herbst 1992 wurde dann die Sanierung des alten Gebäudes beschlossen und ab 1994 durchgeführt. Zu gleichen Zeit wurde eine Museumskommission einberufen, die sich um die Gestaltung des Ortsmuseums kümmern sollte. In der Zeit zwischen Beschluss und Ausführung traten massive Schäden an der Bausubstanz zutage, die das Projekt nicht einfacher machten. Die ganze Sanierung zog sich hin, erst Ende 1997 wurde das Schmuckstück eröffnet.
Im Erd- und ersten Geschoss hat die Bibliothek ihre Räume, ebenfalls im ersten Stock befindet sich der Ausstellungsraum, der auch dem neu gegründeten Forum Stadtscheune für wechselnde Ausstellungen zur Verfügung steht, der zweite Stock und das Dachgeschoss beherbergen das Museum.
Fotos: Fotoarchiv Mellingen
Text: Karin Weisenstein