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Märlistunde mit der Melliger Magd

Wieder einmal lud die Mellinger Altstadt zum First Friday ein. Mit dabei war die Mellinger Magd, die zahlreiche Kinder um sich versammelte. Sie erzählte ihnen von ihrem harten Leben und liess sie erleben, wie viele Märchen sich in unserem kleinen Städtchen abgespielt haben. An ihrer Kopfbedeckung konnten die Kinder zudem erkennen, dass sie bereits «unter der Haube» war!

Von der Stadtscheune ging es zum Johannesbrunnen, jenen Weg, den die Magd jeden Tag zurücklegen musste, um Wasser ins Haus ihrer Herrschaften zu bringen. Früher gab es so viele Knechte und Mägde, dass sie lange Schlange stehen mussten. Deshalb hat der Brunnen auf zwei Seiten eine wasserspeiende Schlange und ein Gestell, auf dem die Wassereimer abgestellt werden konnten.

Hier trafen die Zuhörerinnen und Zuhörer auch auf die Prinzessin, die am Brunnen mit ihrer goldenen Kugel spielte und sie ins Wasser fallen liess. Der Kummer war gross, bis ein Frosch seine Hilfe anbot. Wie es weiter geht, wissen wir alle, und auch viele der Kinder kannten die Geschichte und erzählten sie gleich selbst weiter.

Auf dem Weg ans andere Ende des Zentrums stand die Gruppe vor einer schweren Entscheidung: Nehmen wir den Weg durch die Kleine oder durch die Grosse Kirchgasse? Die Entscheidung trafen die Knöchelchen, die sogenannten Astragale, die man werfen kann. Also ging es durch die Kleine Kirchgasse weiter, vorbei an den vielen Ständen der Mellinger Händler.

Beim Ibergturm angekommen, konnten die Kinder oben das Fenster sehen, aus dem eine arme, eingesperrte Prinzessin ihr langes Haar hinunterlassen musste. Die Hexe, die sie dort gefangen hielt, konnte daran zu ihr hinaufklettern. Eines Tages hörte ein Prinz die Prinzessin singen. Und auch wir konnten nun einen ganzen Kinderchor singen hören! Der Prinz fand bald heraus, wie er zur Prinzessin gelangen konnte, und besuchte sie regelmässig. Doch eines Tages verplapperte sie sich, die Hexe bekam Wind von den Besuchen und schnitt die wunderschönen Haare ab. Den letzten Rest des Zopfes trug die Magd bei sich – und jedes Kind durfte ihn einmal anfassen.

Weiter ging es dorthin, wo zahlreiche Märchenfiguren des Künstlers Freddy Air Röthlisberger zu finden sind: zur Wiese hinter dem Alterszentrum «Im Grüt». Bei den Figuren gab es noch viele weitere Märchen zu entdecken und zu erzählen: Schneewittchen und die sieben Zwerge, Aschenputtel, das tapfere Schneiderlein und natürlich noch einmal Rapunzel. Von der dortigen Statue aus bildeten die Kinder eine lange Kette, fast so lang wie Rapunzels Haar!

Mit einem typisch mittelalterlichen Knicks verabschiedeten sich die Kinder von der Märchenerzählerin und freuten sich auf ein baldiges Z’Nacht. Schliesslich war der Hunger inzwischen riesig: «Ich hab’ soooo einen Hunger!»

Karin Weisenstein